Historische Städte

Historische Städte

Bis auf den heutigen Tag lassen sich in den Dörfern und Städten der Provinz Spuren der reichen Geschichte Nord-Hollands auffinden. Noch heute strahlen die Ortskerne von Fischerdörfern wie Volendam, Muiden und Medemblik, die seinerzeit noch an der offenen See lagen, etwas von der Atmosphäre jener Zeiten aus, als das IJsselmeer noch Zuiderzee hieß. Diese Städte und Dörfer waren damals unter dem Namen Der Goldene Kreis - der "Gouden Cirkel" bekannt. In den Städten Hoorn und Enkhuizen lassen sich bis auf den heutigen Tag Zeugnisse der Ostindischen Handelscompagnie, der Verenigde Oost-Indische Compagnie (VOC) finden. Die zahlreichen Gebäude und Standbilder, die hier und da noch zu sehen sind, erinnern an das 17. Jhdt., als die VOC ihre Blütezeit erlebte. Abgesehen von den an den Gestaden der einstigen Zuiderzee gelegenen geschichtsträchtigen Orte lohnen auch Städte wie Naarden, Alkmaar und Haarlem ganz gewiß einen Besuch. Jede dieser Städte verströmt ihren ganz eigenen Flair und hat ihre historischen Wurzeln im Goldenen Zeitalter.

Haarlem
Haarlem, die Hauptstadt der Provinz Nord-Holland, ist ein sehr schönes Beispiel für eine geschichtsträchtige Stadt mit einer vollkommen eigenen Identität. Typisches bauliches Merkmal der Stadt sind die kleinen Höfe, die "hofjes", auf die hier man vielerorts stoßen kann. Neben diesen wunderschönen Baudenkmälern ist Haarlem auch für seine kleinen historischen Gebäude mit Treppengiebeln und Gesimsfassaden bekannt. In früheren Zeiten haben in Haarlem viele Architekten aus Flandern gewirkt, deren Einflüsse bis auf den heutigen Tagen zu erkennen sind. Seinen hohen Bekanntheitsgrad verdankt Haarlem auch der Grote oder St. Bavo Kerk.

Diese spätgotische Kirche (1370-1520) beherbergt die Grabstätte des Malers Frans Hals sowie die berühmte Christian Müller-Orgel aus dem 1738. Auf dieser Orgel hat einst auch der junge Wolfgang Amadeus Mozart gespielt. Kunst- und Kulturliebhaber kommen in Haarlem voll auf ihre Kosten. Ein auch jenseits der Landesgrenzen sehr bekanntes Museum ist das Frans Halsmuseum, in dem unter anderem das Werk dieses altholländischen Meisters gezeigt wird. Darüber hinaus sind auch Werke anderer Maler des 17. Jhdts. zu sehen. Das älteste öffentliche Museum der Niederlande ist das Teylers Museum. Das einst von Wissenschaftlern gegründete Museum bietet eine breite Palette an Exponaten. Die international bekannte Sammlung italienischer, französischer und niederländischer Drucke und Zeichnungen ist fester Bestandteil der Sammlung. Die Verweyhal zeigt moderne Kunst. Zu sehen sind Arbeiten des in Haarlem geborenen und aufgewachsenen Künstlers Kees Verwey. Haarlem ist auch als Stadt der Blumen berühmt. Im April finden sich aus Anlaß des Blumen-Korsos Tausende von Besuchern ein, die den Zug der wunderschön geschmückten Prunkwagen entlang der 40 km langen Route von Noordwijk nach Haarlem genießen.

Alkmaar
Der Käsemarkt Alkmaars ist weltweit ein Begriff. Von Mitte April bis Mitte September kann man jeden Freitag zwischen 10.00 und 12.00 Uhr den Käseträgern bei ihrer Arbeit zuschauen. Die Käseträger sind Mitglied einer der wenigen noch existierenden niederländischen Käseträgergilden. Das Käsemuseum residiert in dem aus dem 14. Jhdt. stammenden Gebäude der Waage. Hier wird die Käse- und Butterherstellung früherer Jahrhunderte dokumentiert. Natürlich bietet Alkmaar noch sehr viel mehr als Käse. Die alte Innenstadt mit ihren kleinen Zugbrücken, den stolzen Patrizierhäusern und den malerischen Einkaufsstraßen bildet die geeignete Kulisse für einen Stadtspaziergang.

Die wuchtige St. Laurenskerk wurde zwischen 1470 und 1516 von Angehörigen der berühmten Architektenfamilie Keldermans aus Mechelen gebaut und ist ein schönes Beispiel für die vielen prachtvollen Bauten, an denen die Stadt so reich ist. Kulturfreunde können in Alkmaar eine Reihe sehr interessanter Museen besuchen. Das Stedelijk Museum Alkmaar besitzt eine wichtige Gemäldesammlung mit Werken holländischer Meister aus dem 16. und 17. Jhdt. Das Biermuseum residiert standesgemäß in einer aus dem 17. Jhdt. stammenden Brauerei. Dank seiner geographischen Lage ist Alkmaar auch idealer Ausgangspunkt für eine Fahrradtour durch die Polder-, Forst- und Dünenlandschaft des Küstengebiets.

Medemblik
Bis zum Ende des 17. Jhdts. spielte Medemblik eine wichtige Rolle als Handelszentrum. Heute gilt der Tourismus als größte Einnahmequelle. Vor allem während der Sommermonate zieht es Touristen aus dem In- und Ausland in die alte Innenstadt und insbesondere den Yachthafen. Viele der Besucher besichtigen die alte Burg Radboud, die letzte der von Floris V. im Jahre 1282 gegen die Westfriesen errichtete Zwingburgen. Die Burg beherbergt heute eine Sammlung alter westfriesischer Wappenschilder und Gemälde. Hier finden regelmäßig auch Wechselausstellungen statt.

Eine sehr angenehme Art, Medemblik zu besuchen, ist die Anreise mit der Dampfeisenbahn. Ausgangspunkt dieser Bahnverbindung ist Hoorn. Von dort aus führt die Strecke durch eine wunderschöne Weidelandschaft. Bei der Ankunft in Medemblik können die Reisenden beispielsweise das Dampfmaschinenmuseum besuchen, das in inem ehemaligen Dampfschöpfwerk aus dem Jahre 1869 residiert. Anschließend können sie dann mit einem bequemen Fahrgastschiff nach Enkhuizen fahren und nach einem Besuch dieser Stadt mit den Niederländischen Eisenbahnen (NS) nach Hoorn zurückreisen.

Enkhuizen

Die Vereinigte Ost-Indische Compagnie hat auch in Enkhuizen ihre Spuren hinterlassen. In der Stadt gibt es noch eine Reihe einstiger VOC-Lagerhäuser, die mittlerweile zu Wohnzwecken genutzt werden. Um sich einen leibhaftigen Eindruck von der Atmosphäre vergangener Zeiten zu machen, ist der Besuch des sogenannten Pfefferspeichers des Zuiderzeemuseum oder eine Visite im Buddelschiffmuseums geradezu ein Muß. Nach Abtrennung der Zuiderzee, als das Salzwasser dem Süßwasser weichen mußte, stellten sich die Enkhuizener Fischer in großem Maßstab auf den Herings- oder Aalfang um. Ein Besuch des Zuiderzeemuseum läßt diese Zeiten wieder aufleben. Rund hundert Häuschen, kleine Läden und Werkstätten vermitteln einen soliden Eindruck vom einstigen Leben in den Fischerdörfern an der einstigen Zuiderzee.

Das Wahrzeichen der Stadt Enkhuizen ist das 'Drommedaris'. Dieses Stadttor wurde im 6. Jhdt. erreicht, um die Zufahrt zum Hafen zu überwachen. Vor dem Drommedaris steht das Bronzestandbild des Paulus Potter, eines Malers aus dem 17. Jhdt. Natürlich lohnt auch der Hafen Enkhuizens einen Besuch. Der Hafen wird während des gesamten Jahres von unzähligen sowohl modernen als auch traditionellen Segelschiffen wie Tjalken, Bottern und Klippern angelaufen. Unser Tip: eine Fahrt auf der einstigen Zuiderzee mit einem dieser traditionellen Segelschiffe!

Hoorn

Hoorn wird durch die vielen Denkmäler und Standbildern geprägt, die an die Zeiten der Ostindischen Handelscompagnie (VOC) erinnern, die in dieser Stadt ihren Sitz hatte. Die Handelsgesellschaft der VOC befuhr während des Goldenen Zeitalters die Weltmeere und gilt als Mutter aller multinationalen Konzerne der Neuzeit. Die Verbindung der Zuiderzee mit der Nordsee wurde 1932 durch den Bau des Afsluitdijk unterbrochen, der gebaut wurde, um Nord-Holland mit der Provinz Friesland zu verbinden. Viele Details der VOC-Geschichte können im Westfriesischen Museum besichtigt werden, dem Stadtmuseum Hoorns, das gleichzeitig als west-friesisches Regionalmusem dient.


Das Museum residiert im Gebäude des Parlaments der Staten College aus dem Jahre 1632. In den 27 Sälen sind unter anderem eine VOC-Sammlung, Gemälde und Volkskunst untergebracht. Museumsbesucher, die sich mehr für die Geschichte unseres Jahrhunderts interessieren, sollten das Museum des 20. Jahrhunderts besuchen. Die hier gezeigte Sammlung dokumentiert den Veränderungsprozeß der Niederlande während der zurückliegenden 100 Jahre. Dank des gemütlichen Hafens mit seinen einladenden Kneipen und Restaurants finden während der Sommermonate auch viele Wassersportler den Weg nach Hoorn.

Edam

Ebenso wie Alkmaar genießt auch Edam internationalen Ruhm als Käsestadt. Diesem Ruf wird die Stadt in den Monaten Juli und August besonders gerecht. Dann findet mittwochs zwischen 9.30 und 12.30 Uhr der traditionelle Käsemarkt statt. Vielen Zeitgenossen ist nicht bekannt, daß Edam eine der besterhaltensten Städte der einstigen Zuiderzee ist. Der städtebauliche Reichtum der Stadt gründet nicht nur in der Tradition des Käsehandels. Kurz nachdem die Stadt 1357 Stadtrechte erhalten hatte, erlebte sie dank des Baus eines Hafens mit freiem Zugang zur damaligen Zuiderzee eine Blütephase.

Der Schiffsbau wurde in dieser Zeit zu einer wichtigen Erwerbsquelle. Spuren dieser Zeit lassen sich in Edam bis zum heutigen Tag ausmachen. Nach der Trockenlegung des Beemster und des Purmer wurde dann der Käsehandel eine wichtige Einnahmequelle. Wer Edam auf dem Weg durch die vielen Grachten erkundet, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Noble Kaufmannshäuser, liebliche kleine Zugbrücken, herrliche Hals- und Treppengiebel und die vielen Käselagerhäuser erinnern heute noch an die Blütephase der Stadt.

Das Stadtbild Edams wird von der Grote oder St. Nicolaaskerk dominiert, einer dreischiffigen Hallenkirche, die Ende des 15. Jhdts. erbaut wurde. Auffallendes Detail sind die 30 kunstvoll gestalteten Fenster dieses Kirchenbaus. Mittelpunkt der Stadt ist der Damplein (1624) mit dem prächtigen Rathaus. Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes steht das älteste Gebäude der Stadt. Es dient heute als Museum für historisches Mobiliar, alte Gebrauchsgegenstände und Gemälde.

Volendam

Volendam ist ein malerisches Fischerörtchen mit den typischen kleinen Häuschen, Grachten und Zugbrücken. Schon so mancher Besucher hat sich im "Doolhof" verirrt, wo ein Gewirr kleiner Gassen und Straßen den ortsunkundigen Besucher die Orientierung verlieren läßt. Die Trachten dieses alten Örtchens sind weltberühmt. Auf der ganzen Welt hängen Aufnahmen von Menschen, die sich während ihres Besuchs in Volendam in typischen Volendammer Trachten haben ablichten lassen. Außer für seine Trachten ist Volendam für seinen köstlichen Aal ebenso berühmt, wie für seine berühmten Künstler wie BZN und die Cats und natürlich auch den Fußballerstligisten FC Volendam. Bei einem Besuch dieses schönen Orts sollte ein Besuch des Volendams Museum nicht fehlen. Neben alten Inneneinrichtungen und Trachten besitzt das Museum auch ein einzigartiges kleines Haus, das aus mehr als 7.000.000 Zigarrenbanderolen gebaut worden ist. Von Volendam aus ist es nur ein Katzensprung nach Marken. Zwischen Ende März und Oktober verkehrt ein Passagierschiff zwischen Volendam und dieser einstigen Insel.

Marken

Nahezu acht Jahrhunderte lang war Marken eine Insel. Mit der 1957 geschaffenen Festlandverbindung wurde es dann zur Halbinsel. Bei Einfahrt in den Hafen stellt der Besucher sehr schnell fest, daß die Häuser hier auf Pfählen stehen. Auf diese Weise konnten die Häuser gegen die Überflutungen geschützt werden, von denen die Insel regelmäßig heimgesucht wurde, als das IJsselmeer noch die Zuiderzee war. Im Gegensatz zu Volendam war Marken nicht seit jeher ein Fischerort. Die "Markenaren" genannten Einwohner lebten vor Trockenlegung des Tonbodens von der Landwirtschaft. Ebenso wie Volendam ist auch Marken für seine Trachten berühmt. Nirgendwo sonst tragen die Menschen eine solch bunte Mischung von Farben wie auf Marken. Das Marker Museum residiert in vier sogenannten 'rookhuisjes'. Eines dieser Häuschen ist so eingerichtet, wie es von einer Marker Fischerfamilie bewohnt wurde, die hier bis 1932 lebte. Das Museum zeigt natürlich auch verschiedene Beispiele der Marker Trachten.

Naarden

Die Festungsstadt Naarden erweckt den Eindruck eines großen Freilichtmuseums. Charakteristisches Baumerkmal sind die größtenteils noch erhaltenen Festungsbauten. Neben einem Spaziergang über die Schutzwälle der Stadt lohnt sich auf jeden Fall ein Besuch des historischen Stadtkerns mit seinen viele Antiquitätengeschäften. Wer sich für Wohnkultur interessiert, sollte Het Arsenaal besuchen. Dort gibt es neben Kanonen, Mörsern und Musketen auch die von zahlreichen kleinen Restaurants und Boutiquen umrahmten Ausstellungsräume von Jan des Bouvrie. Ein weiterer Publikumsmagnet ist das Festungsmuseum der Stadt. In diesem Freilichtmuseum, das teilweise auch unterirdische Gänge umfaßt, wird die Geschichte Naardens anhand alter Gebrauchsgegenstände dokumentiert. Vom Museum aus kann eine Rundfahrt auf der Festungsgracht unternommen werden. Naarden ist außerdem Sitz des Comenius Museums. Neben Wechselausstellungen zeigt dieses Museum eine ständige Ausstellung zu Leben und Wirken eines der größten Gelehrten des 17. Jhdts. und Namenspatron des Museums, Jan Amos Comenius. Neben dem Museum steht die Waalse Kapelle, in der der tschechische Gelehrte vor mehr als 400 Jahren seine letzte Ruhestätte fand.

Muiden

Wichtigster Anziehungspunkt Muidens ist das Kastell des Muiderslot. Dieses Kastell wurde vor rund 700 Jahren von Floris V. erbaut, einer der Schlüsselfiguren der niederländischen Geschichte. Die Räume des Kastells sind im Stil des 17. Jhdts. eingerichtet. In dieser Zeit wurde das Kastell von dem bekannten Dichter und Autor P.C.Hooft bewohnt. Die gezeigten Gegenstände und Gemälde vermitteln einen guten Einblick in das Schloßleben während des Goldenen Jahrhunderts. Galt Muiden während des Mittelalters noch als Vorhafen der Stadt Utrecht, wurde es später zu einer Verteidigungsanlage für Amsterdam umgebaut.

Der berühmteste Teil des Amsterdamer Verteidigungsgürtels, die Fort-Insel Pampus, liegt innerhalb der Stadtgrenzen Muidens. Dereinst war Pampus ein mächtiges Fort, das die Mündung des Flusses IJ gegen Feinde schützen sollte. Heute ist das Fort für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Insel kann von Muiden aus auch per Schiff besucht werden.